Jørgen Erichsen
2012

Bitte erlauben sie mir eine kurze Präsentation!

Ich bin 1935 in Odense, Dänemark geboren - und ich beeile mich zu sagen, dass meine Kräfte, mein intellektuelles Vermögen, meine Kreativität und mein Lebensmut trotz meines hohen Alters ungeschwächt sind! 1955-58 studierte ich Mathematik und Naturwissenschaft an der Universität in Kopenhagen, entschied mich aber dann für die Musikwissenschaft, wo ich 1962 als Magister promovierte (was damals dem deutschen Dr. entsprach). Nachdem ich einige Jahre als Studienrat gewirkt hatte, wurde ich 1972 Leiter der Musikabteilung der Staats- und Universitätsbibliothek in Aarhus. Später absolvierte ich ein Kirchenmusikerexamen und war in den folgenden Jahren auch als Kirchenmusiker tätig. Einige Jahre lang war ich Redakteur der Mitgliedszeitschrift des dänischen Kirchenmusikerverbandes. 1984 gründete ich den Musikverlag JOSEBAMUS, der sich auf Kirchenmusik spezialisiert hat.

Als Musikwissenschaftler habe ich mich u.a. mit folgenden Themen beschäftigt: Dänische Frühromantik, Datierungsprobleme, das Repertoire der dänischen musikalischen Periodica 1795-1841, vergessene Komponisten des klassischen und frühromantischen Zeitraums (eine Reihe von Sendungen im dänischen Rundfunk), die natürliche Grundlage des Tonsystems und dessen mathematische Prinzipien (mehrere dieser Artikel, einige davon von interaktiven Computerprogramme unterstützt, liegen schon auf dem Internet in einer dänischen Version, und eine englische Version ist unterwegs), das musikalische Erlebnis im Lichte der Psychologie C.G. Jungs (6 Vorlesungen). 2011 wurde meine grosse Biographie über den deutsch-dänischen Komponist Friedrich Kuhlau vom Olms Verlag, Hildesheim, im Deutschen herausgegeben (siehe das Thema Kuhlau auf dieser Website).

Als Komponist trat ich schon während meiner Studienzeit mit einer Symphonie und mit Kammermusik auf, die u.a. von dem staatlichen dänischen Rundfunk gespielt wurden. Da ich aber den damaligen Modeströmungen unmöglich folgen konnte (ich fühlte es, als sollte ich die Rolle der betrügerischen Schneider aus dem Märchen "Des Kaisers neue Kleider" spielen), gab ich eine "normale" Karriere als Komponist auf, und wandte mich der Kirchenmusik zu. Seit den sechziger Jahren habe ich mehr als hundert Orgelstücke komponiert (eine Unzahl von kleineren Vorspielen nicht mitgezählt), die meisten für gottesdienstlichen Gebrauch, aber auch grössere Werke für den Konzertgebrauch. Diese Musik wird allmählich von Kollegen und Gemeinden hoch geschätzt, und eine Auswahl wird nun auch meinen deutschen Kollegen angeboten. Ich habe auch mehrere Chorwerke und geistliche Gesänge komponiert, wegen der dänischen Texte werden diese Werke jedoch kaum einen deutschen Chorleiter interessieren (man kann sie aber in der dänischen Version dieser Website finden).

Meine Orgelkompositionen sind als "ohrenfreundlich" bezeichnet worden, und auch wenn ich mitunter bewusst ältere Stilarten nachahme, hat man mir versichert, dass der spezielle "Erichsen'sche" Ton immer zu hören ist. Ich denke, dass dies aus meinem ziemlich zwanglosen Verhältnis zur Kirchenmusik zu erklären ist. Die Vorstellung, dass Kirchenmusik notwendigerweise gehoben oder langweilig sein muss, versuche ich zu widerlegen (siehe z.B. die fünfsätzige Pastorale Eine kleine Weihnachtsmusik ), jedoch nicht auf eine Weise, die den Zuhörer schockieren oder anstossen könnte, oder indem ich gegen die Regeln der tonalen Musik verstosse; meine oben erwähnten Studien über das Wesen der Musik und der fundamentalen Prinzipien des Tonsystems haben mich überzeugt, dass diese Regeln in der Natur begründet sind und nicht zurückgestellt werden können, ohne dass die Musik seine Wirkung verliert.

MUSICA PRAELUDIUM VITAE AETERNAE (Die Musik ist ein Präludium zum ewigen Leben) - so lautet die Inschrift einer Orgel des dänischen Orgelbauers Bruno Christensen, und dies ist auch die Botschaft, die ich durch meine eigene Musik zu vermitteln versuche. In keiner Weise wage ich mich mit den grossen Meistern der Orgelmusik zu vergleichen, nur hoffe ich darauf, dass im ewigen Leben auch das kleine Scherflein der Witwe mitgezählt wird.